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Antworten der Schulbuchverlage            zurück zur Ideensammlung

Meine Anfrage // 03.02.2007

Warum kann man statt schweren Schulbüchern nicht einzelne themenbezogene Hefte herausgeben?
 

Cornelsen Verlag  //   Presse- und Öffentlichkeitsarbeit  // 13.3.2007

Die Frage zum Schulbuchgewicht ist stets virulent. Und dabei befinden sich die Schulbuchverlage in einem Dilemma. Einerseits möchten wir Schulbücher leichter machen. Andererseits müssen auch die Lehrpläne umgesetzt werden. Auch die Haltbarkeit und Funktionalität von Büchern, die oft mehrere Jahre ausgeliehen werden, müssen bei der Produktion beachtet werden. Dabei wird oft die Frage aufgeworfen, ob denn die vielen Seiten alle nötig sind. Auch hier kann der Verlag nicht einwirken: Den Lehrstoff, den Schulbücher enthalten, bestimmen Lehrpläne und Stundentafeln der Bundesländer. Die Verlage müssen diese Vorgaben in den Lehrwerken zu 100 Prozent umsetzen. Daneben sollen sie auch Seiten enthalten, die helfen, das Gelernte zu festigen und zu überprüfen. Das Ergebnis sind inhaltlich und vom Umfang her genau abgestimmte Schulbücher für Bundesland, Fach, Jahrgangsstufe und Schulart.

Doch gehen wir ins Detail: Sie führen als Beispiel einzelne themenbezogene Hefte an, so dass Schüler nur die Kapitel mitnehmen müssen, die notwendig sind. Gegen ein solches Vorgehen spricht zum einen das Genehmigungsverfahren, aber auch ökonomische Gründe. Im Genehmigungsverfahren (der jeweiligen Kultusministerien der Länder) sind für Schulbuchverlage mehrere Aspekte zu berücksichtigen: Schulbücher müssen z.B. für eine langjährige Ausleihe taugen, d. h. besonders stabil sein. So hat ein Deutschbuch beispielsweise eine Nutzungsdauer von ca. 2.000 Stunden, bei vier bis fünf Wochenstunden und einer Ausleihe von bis zu zehn Jahren, kommt einfach viel zusammen. Zum Vergleich: Einen Roman liest man z. B. ca. 20 Stunden. Und da haben Cornelsen Schulbücher den Anspruch, in der Verarbeitung optimal haltbar zu sein, im Papiergewicht maximal so stark, wie farbige Abbildungen und die Gefahr des Durchschreibens bei Arbeitsmaterialien das erfordern.

Des weiteren ergeben sich die Formate und Umfänge der Schulbücher aus den inhaltlichen Vorgaben, sprich den Lehrplänen, für die ein Schulbuch kultusministeriell genehmigt werden muss, sowie aus methodischen Anforderungen an die Stoffaufbereitung und lernpsychologischen Notwendigkeiten.

Darüber hinaus darf der ökonomische Aspekt nicht vernachlässigt werden: Bei einer Halbierung von Schulbüchern müssten sehr viel höhere Distributionskosten veranschlagt werden. Je kleiner die Liefereinheit, um so teurer wird auch das Schulbuch (in Relation Preis/Umfang).

Sicher gibt es eine Möglichkeit, dass Schulbücher leichter werden. So müsste beispielsweise zugunsten eines flexiblen Einbandes auf den Festeinband verzichtet werden. Ein flexibler Einband spart gegenüber einem Festeinband ca. 15% an Gewicht. Leider reagieren Schulen auf diese Einbände oft mit Kritik: Sie seien nicht haltbar genug für das oft mehrjährige Ausleihsystem. Was übrigens falsch ist: Durch die Fadenheftung sind flexible Einbände oft genauso haltbar. Leider fordern viele Schulen trotz der Gewichtsproblematik meist Festeinbände. Das wiederum heisst, dass hier der "Endkunde" Schule und Lehrer umdenken müsste, zudem flexible Einbände auch günstiger sind und sich dies positiv auf den Schulbuchpreis auswirke könnte. 

Generell können wir nur darauf hinweisen - aber das setzen Sie ja als engagierte Eltern bereits um - dass die Schultaschen nur mit Büchern gepackt sind, die die Kinder auch am nächsten Tag benötigen, dass nur die wichtigen Utensilien im Ranzen sind etc..  Was die Bücher selbst betrifft, sorgt der Cornelsen Verlag dafür, dass jedes Schulbuch nicht mehr wiegt als es muss: Dazu gehört einerseits eine genaue Planung der Redaktionen. Aber auch die Herstellungsabteilung sucht immer neue leichte und trotzdem funktionale Papiersorten und Einbandlösungen für die Schulbuchproduktion.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit den Informationen weiterhelfen und ich Ihnen den Situation der Schulbuchverlage näher bringen konnte.



C. C. Buchners Verlag  //  08.03.2007

Ihr Vorschlag, themenbezogene Hefte herauszugeben ist derzeit allerdings leider nicht möglich, da die kultusministeriellen Zulassungsbedingungen das Unterbringen des Stoffes für einen kompletten Jahrgang verlangen. Zu Ihrem Hinweis, dass Schulbücher früher leichter waren, möchten wir Folgendes anmerken. Sie haben ganz richtig auf den Stand der Technik hingewiesen und dieser bedingt auch, dass Schulbücher heute wesentlich aufwendiger und zahlreicher illustriert bzw. bebildert sind. Das bedeutet aber auf der anderen Seite ein Mehr an Gewicht.
Bitte seien Sie versichert, dass das von Ihnen angesprochene Problem bereits rege in unserem Haus diskutiert wird und uns durchaus bewusst ist.

 

Ernst Klett Verlag GmbH  //  Kundenservice  // 05.03.2007

 Diese Problematik beschäftigt selbstverständlich die Schulbuchverlage permanent. Der Ernst Klett Verlag leistet seinen Beitrag, indem er Schulbücher so leicht wie möglich macht. Dies geschieht zum einen durch die Wahl eines nicht zu großen Buchformates und die Verwendung von geeignetem Papier und Einband. Der Umfang eines Buches wird maßgeblich vom Lehrplan und den zu behandelnden Inhalten vorgegeben. Insofern ist der Vergleich mit früheren Schulbüchern nur bedingt hilfreich.

Zu Ihrem Vorschlag hinsichtlich Einzelheften statt Schulbüchern:
Von den jeweiligen Kultusministerien wird zwingend gefordert, dass die Gesamtheit des in einem Jahr zu lehrenden Stoffes des jeweiligen Faches in einem (einzigen) Buch enthalten sein muss. Dies ist ein unerlässliches Kriterium für die Zulassung eines Schulbuches.
Die Aufteilung eines Lehrwerks in mehrere Hefte ist mit dieser Forderung nicht vereinbar. Aufgeteilte Heftausgaben werden von den Kultusministerien nicht genehmigt. D.h. sie dürfen von den Schulen nicht gekauft und im Unterricht nicht benützt werden. Somit kann sie auch kein Schulbuchverlag produzieren und anbieten.

Die Aufteilung der Jahrgangsbücher in Teilhefte birgt Nachteile: Aufwändige Verwaltung der Lehr- und Lernmittel in den Schulen, geringere Haltbarkeit des broschierten Heftes gegenüber dem Buch mit festem Einband, und aufgrund erhöhter Produktions- und Lagerkosten auch ein höherer Ladenpreis.

Wir bemühen uns sehr, Schulbücher so leicht wie möglich zu machen. Leider sind uns jedoch Grenzen gesetzt. Insofern gibt es zumindest derzeit nur die Möglichkeit, den Schulranzen sorgfältig zu packen und nur die wirklich notwendigen Bücher und Dinge für jeden Tag mitzunehmen.